Inklusive Stadtteilbibliothek Bonn Auerberg I

Mitte Januar bin ich mit meiner Freundin am Müllestumpe vorbeispaziert. Das Haus liegt ein bisschen versteckt im Bonner Norden, dafür aber in einer der wenigen grünen Ecken Auerbergs. Wir haben uns relativ spontan entschlossen, Station zu machen und der kurze Besuch hatte Folgen …

Das Konzept des Haus besteht im Prinzip aus drei Säulen, die von einem Verein getragen werden. Da ist beispielsweise das Restaurant, in dem man vor allem mit der ganzen Familie gut essen kann. Meine Familie hat das Projekt von Anfang an zumindest indirekt unterstützt. Meine Schwester hat dort ihre Hochzeit, mein Onkel seine goldene Hochzeit gefeiert. Was mich an dem Restaurant begeistert, ist nicht nur das gute Essen, sondern das es ein Integrationsbetrieb ist, d. h. viele Angestellte sind Menschen mit Behinderungen. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die sich für mich schwer in Worte fassen lässt, aber ich fühle mich wohl. Über das Netzwerk der Transition Town Initiative Bonn wusste ich, dass sich dort auch regelmäßig Leute im Repair Café treffen, um an Rädern und anderem Zeug zu schrauben. Außerdem finden dort auch regelmäßig Workshops, kulturelle Veranstaltungen und Tagungen statt. Kurzum: Ich bin sehr angetan von dem Projekt und freue mich auch sehr, dass der Social Media Chat Bonn dorthin umgezogen ist.

Wir haben unseren Spaziergang also unterbrochen und sind im Restaurant aufgeschlagen. Zu unserem Glück haben wir dann Peter Kurenbach aus dem Vereinsvorstand, getroffen. Der hat sich nett mit uns unterhalten und uns durch die Räumlichkeiten geführt. So konnten wir dann beispielsweise den 3D-Drucker bewundern, der in den Werkräumen dort schon in Betrieb genommen wurde. Wir sind mit dem Studium fertig und befinden uns noch ein bisschen in diesem merkwürdigen Zwischenstadium, in dem man etwas orientierungslos ist. Meine Freundin macht derzeit ein Praktikum beim Ohrenkuss und bei mir zeichnet sich nach meiner Masterarbeit langsam ein Promotionsthema und vielleicht auch ein Halbtagsjob ab. Aber ich bin niemand, der gerne ohne Aufgabe ist und deswegen suche ich immer nach Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln. Im Müllestumpe gibt es davon mehr als genug.

Über Twitter bin ich vor einiger Zeit auf KultimO aufmerksam geworden, die über die Schließung der Stadtteilbibliotheken berichtet haben. Als kleiner Stöpsel war die Stadtteilbibliothek Auerberg/Graurheindorf meine erste Anlaufstelle für Büchernachschub. Auch wenn ich die Auswahl bald als langweilig empfand und zur Zentrale wechselte, blieb die Bücherrei immer „ganz nett“. Mittlerweile haben sich die Bibliothekskonzepte zum Glück gewandelt: Bücherreien sind nicht nur Leihstellen, sondern auch wichtige Kultur- und Lernorte geworden. Sofern eine Bücherei einen Internetanschluss, Aufenthalts-, Seminar- und Vortragsräume hat, empfinde ich sie als zukunftsfähig. Man könnte die Bücherei als offenen Lernort gestalten und beispielsweise ein Coder Dojo einrichten oder Lesungen stattfinden lassen…oder…oder…oder.

Im Zuge der Berichte über die Rettungsversuche der Stadtteilbibliotheken bin ich dann auf die Pläne des Auerberger Fördervereins und des Müllestumpe aufmerksam geworden, eine inklusive Stadtteilbücherei in der „Auerberger Mitte“ zu errichten. Irgendwie versickerte dieses Projekt für mich dann, bis ich mich beim Spaziergang daran erinnerte. Mittlerweile hat sich etwas getan und über die Vermittlung von Herrn Kurenbach habe ich Kontakt zu den Ehrenamtlichen, die sich für die inklusive Bücherei einsetzen. Anfang März heißt es dann die Bestände der Graurheindorfer Bibliothek bergen. Bücher und andere Medien müssen nicht nur entstaubt und sortiert, sondern auch neu etikettiert und verpackt werden.

Der Müllestumpe zeigt, wie vielseitig Bonn sein kann und wie unterschiedliche Interessen auch manchmal zusammenlaufen können und sich bündeln. Ich sehe in dem Haus wirklich noch viel mehr Potenzial und will mich dementsprechend engagieren und mitgestalten. Spontane Entscheidungen haben also insofern manchmal weitreichende und positive Folgen. Meine Freundin wird übrigens bald im Bereich Wohnen&Leben des Müllestumpe ehrenamtlich tätig.

 

 

 

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4 Gedanken zu “Inklusive Stadtteilbibliothek Bonn Auerberg I

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